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Rat & Tat

Besonderheiten bei Früh- und Spätentwicklern beachten

Im Nachwuchstraining können unterschiedliche Entwicklungsverläufe zu Problemen führen. Frühentwickler und Spätentwickler brauchen mitunter besondere Unterstützung.


 

"Normabweichungen" sind keine Seltenheit

Nicht alle Jugendlichen kommen im gleichen Alter in die Pubertät, und die körperliche Entwicklung kann sich individuell sehr verschieden gestalten. Innerhalb einer Gruppe Gleichaltriger können Spätentwickler (Retardierte) zeitweilig den Leistungsanschluss verlieren, was zu Frustration und Resignation führen kann. Dagegen erscheinen die sportlichen Leistungen von Frühentwicklern (Akzelerierten) zunächst sehr vielversprechend, was zu überhöhten Erfolgserwartungen führen kann. Wird der Entwicklungsvorsprung dann von den Gleichaltrigen aufgeholt, ist es für Frühentwickler oft schwer zu akzeptieren, wenn sie nicht mehr unbedingt die "Besten" in der Gruppe sind.

In beiden Fällen besteht die Gefahr eines Rückzugs vom Sport oder der Versuchung, ein wenig "nachzuhelfen". Als Trainerin oder Trainer können Sie die Jugendlichen bei der Bewältigung dieser Situation unterstützen.

 

Aufklärung über unterschiedliche Entwicklungsverläufe

Klären Sie Ihre Nachwuchssportlerinnen und -sportler über die verschiedenen Entwicklungsverläufe auf. Weisen Sie insbesondere darauf hin, dass sich die Differenzen innerhalb der Gleichaltrigengruppe langfristig wieder ausgleichen. Machen Sie Frühentwicklern rechtzeitig deutlich, dass der augenblickliche Leistungsvorsprung verloren gehen kann. Da es häufig die Eltern sind, die Erfolgsdruck aufbauen, kann es sinnvoll sein, auch das Gespräch mit den Eltern zu suchen. Wichtig ist vor allem, dass Sie nicht nur die Betroffenen zur Geduld mahnen, sondern als Trainer oder Trainerin auch selbst Geduld zeigen.

 

Individualisierung des Trainings

Passen Sie die Trainingsanforderungen nach Möglichkeit an die aktuellen individuellen Entwicklungsvoraussetzungen der einzelnen Jugendlichen an, auch im Mannschaftssport. Legen Sie gemeinsam mit den Athletinnen und Athleten kurzfristige und langfristige Ziele fest. Bedenken Sie dabei, dass starke Größen- und Gewichtszunahme in der Pubertät zu einer Verschlechterung der koordinativen Fähigkeiten führt. Spätentwickler können also ihre im Verhältnis zur Gruppe schwächere konditionelle Leistung meist durch eine bessere Koordinationsfähigkeit kompensieren.

 

Wertschätzung und Zuwendung

Die menschliche Wertschätzung, die Sie den Ihnen anvertrauten Athletinnen und Athleten entgegenbringen, sollte immer unabhängig von deren Leistung sein. Besonders wichtig ist das in der Pubertät. Jugendliche können in dieser ohnehin schwierigen Phase besonders empfindsam reagieren, wenn sie sich benachteiligt oder zurückgesetzt fühlen.

Bevorzugung oder Benachteiligung passieren oft unbewusst und unbeabsichtigt. Die nachfolgenden Fragen können Ihnen helfen, das eigene Verhalten zu überprüfen:

  • Behandeln Sie Ihre Athletinnen und Athleten stets gerecht, unabhängig von deren aktueller Leistungsfähigkeit?
  • Fördern Sie auch diejenigen, die hinter dem Leistungsniveau der Gruppe zurückbleiben, durch individuelle Trainingsmaßnahmen?
  • Begründen Sie individuelle Förderung so, dass sie nicht als Bevorzugung oder Zurücksetzung aufgefasst werden kann?
  • Schaffen Sie für alle Athletinnen und Athleten ausreichend Möglichkeiten, an Wettkämpfen teilzunehmen, notfalls unter Verzicht auf den kurzfristigen Erfolg?